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Blog, what is it good for?!

Im Ursprung war da dieses Gefühl, das es schön wäre, anstelle von flüchtigen Postings wieder „echte Texte“ zu verfassen. Über Themen berichten, die das Leben mir aufträgt, oder die in der Luft liegen, in dieser Zeit, in dieser Lebensphase, mit allem, was ansteht. Gerne als Anregung zum Austausch mit anderen. Autorin sein, ohne Auftrag, frei von Vorgaben, das hat was.

Als Journalismus noch mein Beruf war, war ich in meinem Element, wenn ich Zeitgeist-Themen mit Selbsterfahrungen verschmelzen konnte. Die ersten langen Texte, die ich Anfang der 90er-Jahre im Stadtmagazin Fritz, das damals noch Skyline hieß, veröffentlicht habe, waren genau das. Und mein damaliger Journalistenvater (Shout out, Erk) erinnert mich bei heutigen Begegnungen manchmal immer noch an „Irgendwie, irgendwann oder so“, ein Essay über das Lebensgefühl der GenerationX in Verbindung mit Porträts über einige ihrer Vertreter in der Stadt. Bei Brigitte Woman, für die ich sehr gerne geschrieben habe (Shout out, Julia), drehte es sich ebenfalls um persönliche Erfahrungen von allgemeinem Interesse für Frauen im gleichen Alter.

Zwischendurch gab es verschiedene Blogphasen. Ich schrieb auf der leider längst verschollenen Plattform MySpace unter Frau S., später als Karla Orange – und zuletzt segelte ich unter der Flagge papierschiffchen. Ich füllte die Beiträge mit meinen Gedanken, Erfahrungen und Alltagsminiaturen aus der jeweiligen Lebenswirklichkeit. An diese Tradition würde ich gerne anzuknüpfen, obwohl ich weiß, dass das Internet inzwischen ein anderes ist, und darüber hinaus auch ohne meinen Input vor Inhalten überquillt. 

Und doch ist da der Wunsch, selbst welche zu produzieren. Weil ich oft denke: Wenn ich nicht bald wieder mehr schreibe, werde ich verrückt. Vielleicht wegen der vielen Themen, die mir permanent durch den Kopf gehen. Aber auch, weil ich es gern tue, das Schreiben, manchmal sogar liebe, obwohl es gleichzeitig oft eine Qual ist. Der Weg vom Impuls bis zum fertigen Text kostet Kraft und Zeit. Mal mehr mal weniger. Je weniger man es ihm anmerkt, desto mehr manchmal.

Öffentlich über persönliche Dinge reden. Das hat natürlich was von Nabelschau. Und Nabelschau ist ein schmaler Grat. Authentisch sein vs. zu viel Privates preisgeben. Die Auffassungen und Auslegungen, was allgemein Wissenswert ist und was jemand lieber für sich behalten sollte, sind so unterschiedlich wie die Leserinnen und Leser. Und die wiederum sind bei allem eigenen Gezauder ja noch nicht einmal garantiert. Wer hat überhaupt noch Zeit und Lust zu lesen? Was jedoch ist ein Blog, den niemand liest? Die Gefahr ist groß, dass genau das passiert und damit das Frustpotential entsprechend hoch. 

Der Ausgang des Projekts ist zum aktuellen Zeitpunkt noch völlig offen.