19+6+26 = 58 3/4

So schnell geht’s. Am heutigen Tag bin ich 58 Jahre und 9 Monate alt. Der 59. Geburtstag ist nah. Und das, was dann kommt, rückt entsprechend näher. Vor einem Dreivierteljahr dachte ich, oh je, jetzt ist es höchste Zeit, an Ideen zu arbeiten, wer ich sein will, wenn ich 60 werde. Ein Konzept muss her, dachte ich, eines an dem ich mich entlang hangeln könnte und mental vorbereiten auf diese unfassbare Zahl. Und auf das, was dann kommt. Das letzte Drittel Leben.

Die Monate sind vergangen, ohne dass ich im Entferntesten ein Bild von meinem 60plus-Ich entwickelt hätte. Ehrlich gesagt, habe ich mich gar nicht ernsthaft damit beschäftigt. Und doch passiert es. In Gesprächen mit Gleichaltrigen werden die Stimmen derjenigen leiser, die sich stur am Narrativ der ewigen Jugend aka „Man ist so alt wie man sich fühlt“ festklammern. Die Vergänglichkeit wird mit jedem Jahr spür- und sichtbarer, als dass man sie leugnen könnte.
Wir erzählen uns dieselben Dinge, in unterschiedlichen Nuancen, fühlen uns im gegenseitigen Verständnis für den Moment geborgen und wenn wir auseinander gehen, bleiben doch nur lose Enden übrig. Genauso wird es wohl weitergehen. Weder in drei noch in fünfzehn Monaten werde ich eine Vorstellung haben.

Die Unsinnigkeit des Unterfangens hat mir vor allem mein Körper aufgezeigt. Bis vor anderthalb Jahren habe ich den altersbedingten Attraktivitätsabrieb und die sich mit dem Alter ausschleichende Bedeutung innerhalb der Gesellschaft für die größten zu bewältigende Aufgaben gehalten. Ich fürchtete mich vor beidem. Währenddessen ich mir überhaupt keine Sorgen machte, ob Joggen, Wandern und kilometerlange Strandspaziergänge selbstverständlich bleiben würden. Wie naiv! Dass sie es wieder werden, ist nun, wenn man es so will: der Plan. 

Gehen und gehen lassen. Nennen wir es in jugendsprachlicher Anlehnung:
Low Cortisol Aging

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